Press releases

Kettnaker
VerbÀnde der Deutschen Möbelindustrie (VDM/VHK)

Deutsche Polstermöbelhersteller leiden unter KaufzurĂŒckhaltung und Importdruck

Umsatz liegt bis Juli um 10,4 Prozent unter Vorjahresniveau

23.09.2026

HERFORD. Die Lage der deutschen Polstermöbelindustrie bleibt herausfordernd. Nach Monaten schwacher Nachfrage und anhaltenden Kostendrucks steht die Branche weiterhin unter Druck.  Die Hersteller setzen jetzt auf die traditionell stÀrkeren Herbst- und Wintermonate, ihre Innovationen und die besondere QualitÀt ihrer Produkte. Die aktuellen Branchenzahlen zeigen jedoch noch keine nachhaltige Trendwende. 

„Normalerweise bringt der Herbst RĂŒckenwind fĂŒr unsere Branche. In diesem Jahr blĂ€st uns der Wind allerdings noch immer krĂ€ftig ins Gesicht“, sagte Leo LĂŒbke, Vorsitzender des Verbands der Deutschen Polstermöbelindustrie (VdDP), heute auf der Jahres-Pressekonferenz des Verbandes in Herford. Vor dem Hintergrund sinkender UmsĂ€tze fallen die Erwartungen der Branche verhalten aus. Das spiegelt sich auch in der aktuellen Wirtschaftsumfrage der VerbĂ€nde wider. Mehr als zwei Drittel der befragten Unternehmen rechnen nicht mit einer spĂŒrbaren Belebung im zweiten Halbjahr 2026. Rund 60 Prozent nutzen im dritten Quartal Kurzarbeit.  Als Hauptbelastungsfaktoren nannten die Befragten das anhaltend schwache Konsumklima sowie steigende Materialkosten.

„Ein Polstermöbel kauft man deutlich spontaner als zum Beispiel eine KĂŒche“, erlĂ€uterte LĂŒbke. „Solche ‚LustkĂ€ufe‘ bleiben im Moment vielfach aus, weil die Menschen angesichts steigender Lebenshaltungspreise und geopolitischer Unsicherheiten das Geld zusammenhalten.“ Hinzu komme, dass deutsche Hersteller eher im Hochwert-Bereich zu finden sind. „Polstermöbel werden sehr handwerklich produziert. Dadurch sind die Lohn- und Sozialkosten sehr hoch. Außerdem sind in einem Sessel oder Sofa eine Vielzahl von Materialien enthalten, die ebenfalls immer teurer werden. Dennoch setzen wir auf die StĂ€rken unserer Hersteller: QualitĂ€t, Innovation und Möbel, die den Menschen ein Zuhause zum WohlfĂŒhlen schaffen. Einen ruinösen Preiskampf können und wollen wir nicht fĂŒhren, weil dies am Ende zulasten von QualitĂ€t, Nachhaltigkeit und ArbeitsplĂ€tzen in Deutschland ginge.“

UmsĂ€tze bis Juli um 10,4 Prozent zurĂŒckgegangen
Wie sich die Marktentwicklung derzeit konkret darstellt, erlĂ€uterte VerbandsgeschĂ€ftsfĂŒhrer Jan Kurth. Nach amtlichen Zahlen lag der Umsatz der deutschen Polstermöbelindustrie in den ersten sieben Monaten dieses Jahres um 10,4 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Besonders das InlandsgeschĂ€ft entwickelte sich mit einem Minus von rund 11 Prozent schwach, wĂ€hrend die AuslandsumsĂ€tze um rund 9 Prozent zurĂŒckgingen. Im Hitze-Monat Juli allein verzeichnete die Branche einen UmsatzrĂŒckgang von mehr als 13 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahresmonat.

Auch im ExportgeschĂ€ft blieb die Entwicklung verhalten. Die Schweiz behauptete mit einem Exportvolumen von rund 104 Millionen Euro ihre Position als grĂ¶ĂŸter Auslandsmarkt und lag nahezu auf Vorjahresniveau. In wichtigen europĂ€ischen MĂ€rkten wie Österreich, den Niederlanden, Italien und Großbritannien verzeichneten die Hersteller hingegen zum Teil deutliche RĂŒckgĂ€nge. Positive Impulse kamen aus Frankreich, wo die Exporte um 13,1 Prozent auf gut 57 Millionen Euro zulegten. Insgesamt zeigt sich, dass die KaufzurĂŒckhaltung nicht auf Deutschland beschrĂ€nkt ist, sondern auch viele europĂ€ische AbsatzmĂ€rkte erfasst. Die schwache Auslandsnachfrage kann die RĂŒckgĂ€nge im Inland derzeit nicht kompensieren.

Der Importdruck bleibt trotz rĂŒcklĂ€ufiger Einfuhren hoch. Zwar gingen die Polstermöbelimporte in den ersten sieben Monaten 2026 gegenĂŒber dem Vorjahreszeitraum um knapp 4 Prozent auf rund 1,63 Milliarden Euro zurĂŒck, sie lagen damit jedoch noch 11,2 Prozent ĂŒber dem Niveau von 2024. Aus Polen, mit einem Anteil von 41,1 Prozent das mit Abstand wichtigste Lieferland, wurden Polstermöbel im Wert von rund 670 Millionen Euro eingefĂŒhrt. Weitere rund 415 Millionen Euro entfielen auf China. Damit kamen rund zwei Drittel der gesamten Polstermöbelimporte allein aus diesen beiden LĂ€ndern. GegenĂŒber dem Vorjahr gingen die Einfuhren aus Polen und China jeweils um 4,6 Prozent zurĂŒck. Im Vergleich zu 2024 lagen sie jedoch weiterhin deutlich höher: bei Polen um 8,1 Prozent und bei China um 19,5 Prozent. KrĂ€ftige ZuwĂ€chse gegenĂŒber dem Vorjahr verzeichneten zudem Vietnam mit 16,9 Prozent und Litauen mit 31,0 Prozent.

„Der leichte RĂŒckgang der Einfuhren darf nicht darĂŒber hinwegtĂ€uschen, wie massiv der Importdruck inzwischen ist“, betonte Kurth. „Allein aus Polen und China kommen Polstermöbel im Wert von fast 1 Milliarde Euro nach Deutschland. Unsere mittelstĂ€ndisch geprĂ€gten Hersteller mĂŒssen sich in einem schrumpfenden Markt gegen Anbieter behaupten, die hĂ€ufig unter deutlich gĂŒnstigeren Kosten- und Regulierungsbedingungen produzieren.“

Wohnungsbau und Regulatorien bremsen die Trendwende aus
Die Ursachen fĂŒr die schwierige Marktlage Ă€hneln denen der gesamten deutschen Möbelindustrie. Zur KaufzurĂŒckhaltung der Verbraucherinnen und Verbraucher sowie steigenden Kosten kommt der anhaltend schwache Wohnungsbau. Weniger Neubauten und UmzĂŒge bedeuten unmittelbar weniger Nachfrage nach Polstermöbeln. Nach Angaben des Pestel-Instituts fehlen in Deutschland inzwischen rund 1,35 Millionen Wohnungen. 

„Wir brauchen hier dringend mehr Dynamik und verlĂ€ssliche wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen“, betonte Kurth. „Unsere Unternehmen kĂ€mpfen derzeit gleichzeitig an mehreren Stellen: gegen politische Verunsicherung, gegen eine schwache Nachfrage, steigenden internationalen Wettbewerbsdruck und eine wachsende Regulierungsdichte.“ 

Vor allem die Umsetzung europĂ€ischer Vorgaben verursacht erheblichen Aufwand, wie Leo LĂŒbke deutlich machte. Die deutsche Polstermöbelindustrie bekenne sich klar zu Nachhaltigkeit, Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft. Viele Hersteller investierten seit Jahren in langlebige Produkte, hochwertige Materialien und nachhaltigere Produktionsprozesse. „Wir stehen hinter den Zielen der europĂ€ischen Ökodesign-Verordnung, dem Digitalen Produktpasses und einer stĂ€rkeren Kreislaufwirtschaft“, sagte Leo LĂŒbke. „Was wir aber brauchen, sind praxistaugliche Regelungen, FlexibilitĂ€t in der Umsetzung, lĂ€ngere ÜbergangszeitrĂ€ume und weniger BĂŒrokratie. Nachhaltigkeit entsteht nicht durch zusĂ€tzliche Formulare, sondern durch gute Produkte, innovative Prozesse und engagierte Menschen in den Betrieben.“

Umso wichtiger sei es, ausreichend qualifizierten Nachwuchs fĂŒr die Branche zu gewinnen. Besonders die handwerksnahe Ausbildung liegt ihm am Herzen: „Berufe in der NĂ€herei, Polsterei oder in der Arbeit mit Holz haben große Tradition. Hier werden alte Techniken gepflegt und mit modernen Maschinen weiterentwickelt. Gleichzeitig werden diese Berufe nicht in absehbarer Zeit durch kĂŒnstliche Intelligenz oder Robotik ersetzt werden können. Eine Ausbildung in diesen Bereichen ist also zukunftssicher.“ Potenzial sieht LĂŒbke nicht nur in der Möbelherstellung, sondern auch in der Instandhaltung und Reparatur alter Möbel. „Ein Thema, das immer mehr an Bedeutung gewinnt“, so der Verbandsvorsitzende.

Trends der Herbstmessen 2026: Harmonie, NatĂŒrlichkeit und neue Wohnlichkeit
Die laufenden Haus- und Herbstmessen zeigen vor allem eines: NatĂŒrlichkeit und GemĂŒtlichkeit liegen weiterhin im Trend. Gefragt sind organisch geformte Möbel mit weichen Silhouetten, die offene RĂ€ume strukturieren und zugleich ein wohnliches, entspanntes Ambiente schaffen. Neben FĂŒĂŸen aus unterschiedlichen Materialien, oft abgestimmt auf die sonstige Einrichtung, sind auch bodennahe Lösungen im Kommen.

Die Farbpalette reicht von hellen Naturtönen wie Sand, Beige und Taupe bis hin zu rauchig abgestimmten Akzenten in Terrakotta, Oliv, Salbei oder mineralischen Blau- und GrĂŒntönen. NatĂŒrliche Materialien, strukturierte Stoffe, Wolle und Leder sowie sichtbare Maserungen und handwerklich anmutende OberflĂ€chen unterstreichen den Wunsch nach Haptik, AuthentizitĂ€t und BestĂ€ndigkeit.

Gleichzeitig gewinnen wohnlich inszenierte Metallakzente, etwa aus Chrom, an Bedeutung. Organische Formen behaupten ihren Platz, werden jedoch klarer und architektonischer. „Man kann fast von Wohnskulpturen sprechen“, erlĂ€uterte Leo LĂŒbke. Möbel sollen heute jedoch nicht nur gut aussehen, sondern sich unterschiedlichen Lebenssituationen anpassen. Entsprechend setzen die Hersteller verstĂ€rkt auf intelligente Komfortfunktionen wie bewegliche RĂŒcken- und Armlehnen oder modulare Erweiterungen. Variable Ablagen oder integrierte Ladefunktionen erleichtern den Alltag, ohne die Gestaltung in den Hintergrund zu drĂ€ngen.

AuffĂ€llig ist zudem das zunehmende Zusammenwachsen der verschiedenen Möbelwelten. Polstermöbel, Wohn-, Ess- und Objektmöbel werden gestalterisch stĂ€rker aufeinander abgestimmt, sodass harmonische GesamtrĂ€ume entstehen. Einige Hersteller prĂ€sentieren ganzheitliche Einrichtungskonzepte und suchen dafĂŒr gezielt die Zusammenarbeit mit Partnern aus angrenzenden Wohnbereichen. 

„Das Sofa bleibt das HerzstĂŒck des Wohnraums“, sagt Leo LĂŒbke. Entsprechend prĂ€gen großzĂŒgige Sofalandschaften die aktuellen Kollektionen. Gleichzeitig gewinnen komfortable PolsterstĂŒhle im Dining-Bereich weiter an Bedeutung, denn das gemeinsame Essen und Zusammensein in den eigenen vier WĂ€nden erlebt eine neue WertschĂ€tzung. Auch Loungesessel mit passendem Hocker sind auf vielen MessestĂ€nden prĂ€sent und schaffen persönliche RĂŒckzugsorte mit hohem Komfortanspruch.

FĂŒr zusĂ€tzliche Wohnlichkeit sorgen textile Elemente. Insbesondere Teppiche erleben eine Renaissance und werden wieder stĂ€rker als wichtiges Gestaltungselement eingesetzt. Sie strukturieren offene Grundrisse, verbessern die Raumakustik und verleihen RĂ€umen WĂ€rme und Behaglichkeit. Insgesamt stehen die Wohntrends 2026 fĂŒr eine neue Balance aus Wohnlichkeit, FunktionalitĂ€t und gestalterischer Harmonie. Sie verbinden sinnliche Materialien mit flexibler Nutzung und schaffen RĂ€ume, die Geborgenheit vermitteln und zugleich den vielfĂ€ltigen Anforderungen des modernen Wohnens gerecht werden.

Bild: VdDP-Vorsitzender Leo LĂŒbke und GeschĂ€ftsfĂŒhrer Jan Kurth informierten in Herford ĂŒber die wirtschaftliche Lage der deutschen Polstermöbelindustrie. Foto: VdDP

 


Download #1
Download #2

PDF



Christine Scharrenbroch
c.scharrenbroch@moebelindustrie.de
Tel. + 49 2224 9377-17

Melanie Dickenbrok
m.dickenbrok@moebelindustrie.de
Tel. +49 5221 1265-26

Address:

die möbelindustrie - Verbände der deutschen Möbelindustrie
Flutgraben 2, 53604 Bad Honnef
Goebenstraße 4-10, 32052 Herford
presse@moebelindustrie.de

back to index